Live-Webinar mit Prof. Dr. med. Peter Konturek jetzt Online!

Im September 2021 hat mit Professor Dr. med. Peter Konturek ein Live-Webinar zum Thema „Reizdarm – welche Therapien helfen können“ für Interessierte und Betroffene stattgefunden.

Zudem finden Sie hier einen Beitrag, der im Vorfeld zum Webinar für das Magazin Darm-Vital in Kooperation mit Herrn Professor Konturek zum Thema „Neue S3-Leitlinie: Das Mikrobiom im Fokus – warum sich jetzt alle Blicke auf Probiotika, FODMAP und Curcumin richten“ entstanden ist.

Die neue S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom, die die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und die Deutsche Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität im Juli veröffentlicht haben, findet Anklang in der Fachwelt. Denn die Zahl der Patienten mit Reizdarmsyndrom (kurz RDS oder IBS, für Irritable Bowel Syndrome) nimmt stetig zu, weltweit liegt die Prävalenz geschätzt bei 11,2% (1). Neben medikamentösen Therapien empfehlen die Autoren nicht-medikamentöse Behandlungsansätze wie eine Low-FODMAP-Diät und Probiotika.

Viele Ursachen, diverse Erscheinungsformen

Prof. Dr. Peter Konturek, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin II Saalfeld, Thüringen-Kliniken, begrüßt diese Aktualisierung der Leitlinie. „Lange galt das Reizdarmsyndrom als rein psychosomatische Erkrankung“, berichtet er. „Inzwischen gibt es Evidenz dafür, dass RDS auf einer Störung der Mikrobiota und der Hirn-Darmachse beruht.“ Die Disposition dafür ist oft angeboren, auch hormonelle Faktoren spielen eine Rolle – Frauen sind häufiger betroffen. Die Symptome können nach einem enteralen Infekt erstmal auftreten. Konturek ergänzt, dass viele Patienten nach längerer Antibiotikaeinnahme erstmals RDS-Beschwerden entwickeln. Die „westliche Ernährung“ mit viel Fleisch, Weizen und gehärteten Fetten, eine vermehrte Stressexposition und eine „übertriebene Verwendung von Antibiotika“ trugen laut Konturek dazu bei, dass es in den letzten Jahren mehr und mehr RDS-Diagnosen gab und in Westeuropa und den USA die Prävalenz inzwischen um 20% liegt.

Unterschieden wird beim RDS sowohl nach Schweregraden als auch nach Symptomen. Je ein Drittel der Patienten leiden unter dem Reizdarmsyndrom mit Leitsymptom Obstipation (kurz: IBS-C), dem RDS mit Diarrhö (IBS-D) oder einem Mischtyp (IBS-M). Zu den Auffälligkeiten im Stuhlgang kommen vielfältige weitere Beschwerden wie Blähungen, Bauchschmerzen oder Fatigue. Schwer Betroffene verzeichnen einen erheblichen Verlust der Lebensqualität – die berufliche Produktivität, das soziale Leben und die Sexualität sind oft stark beeinträchtigt. Diagnostik wie Therapie umfassen mehrere Stufen. Zunächst müssen Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen (unter anderem chronisch-entzündliche Darmerkrankungen und Zöliakie) ausgeschlossen werden.

Das intestinale Mikrobiom in einer Hauptrolle

Aus gastroenterologischer Sicht, so Konturek, ist an der Aktualisierung der S3-Leitlinie RDS einiges erwähnenswert: „Die Rolle des intestinalen Mikrobioms hat in der Aktualisierung signifikant zugenommen. Es gab unter anderem eine positive Empfehlung für ausgewählte Probiotika. Darüber hinaus wurde eine Empfehlung für Rifaximin bei therapierefraktären Fällen des nicht-obstipierten Reizdarmsyndroms ausgesprochen. Wichtiger Teil der Aktualisierung sind auch die Informationen zur FODMAP-armen Diät und zur Komplementärmedizin.“

Das intestinale Mikrobiom – auch intestinale Mikrobiota bzw. Darmflora genannt – setzt sich individuell zusammen, wobei 1.400 Mikroorganismen bekannt sind, die sich im menschlichen Darm finden können (2). Viele davon bewähren sich in der Verdauung, als Produzenten von

Vitaminen und in der Bekämpfung von Krankheitserregern. Andere können Entzündungen und Erkrankungen auslösen. „Patienten mit Reizdarmsyndrom leiden unter einer sogenannte Dysbiose, einer Verschiebung in Richtung Vermehrung der proentzündlichen Darmbakterien“, informiert Konturek. Oft sei das RDS zudem „mit einer mangelnden bakteriellen Vielfalt im Darm“ assoziiert.

Allerdings lässt sich aus der Analyse der Zusammensetzung des Mikrobioms eines Patienten derzeit nicht ableiten, ob ein Reizdarmsyndrom vorliegt und wie es am besten behandelt werden sollte. Die Behandlung orientiert sich daher an den Symptomen. Ein niederschwelliges Therapieangebot, das vielen Linderung bringt, ist die Umstellung auf eine Low-FODMAP-Diät. FODMAPs – fermentierbare Oligo-, Di-, sowie Monosaccharide und Polyole – sind unter anderem in beliebten Getreide-, Obst- und Gemüsesorten, Milch und Süßstoffen enthalten. Inzwischen sind Tabellen der FODMAP-armen Lebensmittel und Getränke allgegenwärtig, doch „die FODMAP-arme Ernährung muss natürlich mit einem Ernährungstherapeuten abgestimmt werden“, betont Konturek.

Eine zweite Therapieform, die die aktuelle Leitlinie ausdrücklich empfiehlt, sind Probiotika. Konturek merkt an: „Aus einer Vielzahl von Studien ist bekannt, dass bestimmte Probiotika, wie Lactobazillen und Bifidobakterien, das Gleichgewicht des Darmmikrobioms positiv beeinflussen.“ Bei Reizdarm zeigten in Studien unter anderem Lactobacillus acidophilus und Lactobacillus reuteri positive Effekte bei sehr guter Verträglichkeit (3). 

Für erwachsene Patienten mit dem Leitsymptom Diarrhö, die auf Ernährungsumstellungen und andere Medikamente nicht ansprachen, kommt zudem das Antibiotikum Rifaximin infrage, das derzeit off-label eingesetzt wird (4).

Je nach Symptomatik und Begleiterkrankungen gibt es zahlreiche medikamentöse und nicht-medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten, zu denen auch Ballaststoffe, Phytotherapeutika, Sport, Entspannungstechniken und Psychotherapie gehören (1).

Mehr über die Darm-Hirnachse und Leaky Gut

Seit wenigen Jahren wird die Kommunikation zwischen Darm und Hirn – die Darm-Hirnachse sowie die Hirn-Darmachse – rege erforscht. Auch die neue Leitlinie weist auf diese Kommunikation und vielfältige Störungsmechanismen hin. Konturek erläutert: „Die Mikrobiota hat Einfluss auf die Hirn-Darm-Achse, direkt wie indirekt. Wir wissen, dass bestimmte bakterielle Produkte wie Histamin, Serotonin, Glutamin oder auch GABA die Kommunikation zwischen Darm und Hirn modulieren können. Histamin zum Beispiel verstärkt den Schmerz und die mukosale Entzündung, GABA zeigt umgekehrte Effekte.“

Zunehmend gibt es Studien zur Durchlässigkeit der Darmbarriere, die bei Menschen mit RDS erhöht sein kann. „Der Begriff Leaky Gut, durchlässige Darmbarriere, ist mit dem Reizdarmsyndrom eng assoziiert“, informiert Konturek. „Bis heute ist es unklar, ob diese durchlässige Darmbarriere die Ursache oder Folge der Darm-Dysbiose ist. Bei einer erhöhten Durchlässigkeit der Darmbarriere kommt es zu einem unkontrollierten Einstrom von Mikroben und mikrobiellen Produkten in das umliegende Gewebe, was zu einer Überstimulation des intestinalen Immunsystems führt. Die Folge sind verschiedene pathophysiologische Phänomene, zum Beispiel die verstärkte Wahrnehmung von Schmerzen im Darm, die sogenannte viszerale Hypersensitivität, sowie Mikroentzündungen in der Darmschleimhaut und eine vermehrte Motilität.“ Diese finden sich nicht nur bei

Menschen mit RDS, sondern unter anderem auch bei Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen.

„In den letzten Jahren konnte erfreulicherweise in Studien gezeigt werden, dass verschiedene Probiotika und auch bestimmte Phytotherapeutika wie Curcumin einen positiven Effekt auf bestimmte Regulatoren der Darmbarriere ausüben, was die Durchlässigkeit der Darmbarriere verringern kann“, so Konturek. Zu Curcumin laufen gerade Studien, immerhin konnte eine Meta-Analyse zeigen, dass Studienteilnehmer durch Phytotherapeutika mit diesem Wirkstoff eine Linderung der Reizdarmsymptome erfuhren (5). Konturek ergänzt: „Bei Curcuma ist die Bioverfügbarkeit der Substanz wichtig, nicht alle Präparate sind gleich gut. Ich persönlich verwende vor allem Salus® Darm-Care Curcuma Bioaktiv Tonikum – aus Studien ist gut belegt, dass Curcuma sehr wirksam bei Patienten mit Colitis ulcerosa ist, es wird aber auch bei Patienten mit Reizdarm eingesetzt. Wir sehen eine Verbesserung von Bauchschmerzen schon binnen kurzer Zeit nach der Einnahme.“

Speziell bei Leaky Gut können zudem Probiotika die erhöhte Permeabilität der Darmbarriere verringern. Konturek betont: „Wir erreichen eine Verringerung des Durchtritts von Bakterien und bakteriellen Produkten durch die Darmschleimhaut, eine Normalisierung der Motilität und eine Reduktion der viszeralen Hypersensitivität.“ Auch hier komme es auf die Art und Darreichungsform der Probiotika an. Salus® Darm-Care Biotic enthält eine spezifische Kombination lebender Lactobacillus reuteri und Lactobacillus acidophilus-Kulturen in Kombination mit Guarkernmehl. Letzteres trägt dazu bei, die Lactobacillen zu ernähren und fördert ihre Vermehrung.

Prof. Dr. Peter Konturek erzielt bei vielen Patienten mit Reizdarmsyndrom und unterschiedlicher Symptomatik gute Erfolge mit Salus® Darm-Care Biotic. Er merkt an, dass bei jedem Patienten individuell entschieden werden müsse, welche Probiotika die besten Erfolge versprechen. Bringe die Therapie binnen drei Monaten keine Besserung, müsse ein Wechsel erfolgen.

Konturek merkt an, dass aktuell umfassend zu RDS und/oder Leaky Gut geforscht wird – „weltweit laufen viele Projekte mit dem Einsatz von neuen Generationen von Probiotika, wie zum Beispiel Faecalibacterium prausnitzii, alle warten gespannt auf die Ergebnisse. Auch eine Art ,Cocktails‘, also Mischungen aus mehreren probiotischen Stämmen, werden untersucht. Ich denke, in den nächsten Jahren ist mit einer Vielzahl von neuen Behandlungsmöglichkeiten zu rechnen.“

Aktuell können – auch dank der aktualisierten S3-Leitlinie – Patienten mit Hinweisen auf ein Reizdarmsyndrom darauf hoffen, von Anfang an ernstgenommen und einer umfassenden Diagnostik und effektiven Therapie zugeführt zu werden. 

Quellen:

Multispecies Probiotic Supplementation in Alleviating Symptomes of irritable Bowel Syndrome

  • Associated with Constipation. BioMed Recs Int (2016)
  • Menees SB, Maneerattannaporn M, Kim HM, Chey WD. The efficacy and safety of rifaximin for the irritable bowel syndrome: a systematic review and meta-analysis. Am J Gastroenterol 2012;107:28- 35
  • Ng QX, Soh AYS, Loke W, Venkatanarayanan N, Lim DY, Yeo WS: A Meta-Analysis of the Clinical Use of Curcumin for Irritable Bowel Syndrome (IBS), J Clin Med 2018; 298